Montag, 3. August 2015

Himbeeren und Mindestlohn

Tja, da ist mit kein besserer Posttitel eingefallen. ;)

Als ich die Tage am Obststand des lokalen Bauern vorbei kam, sah ich, dass 200g Himbeeren knapp 4€ kosten. In Worten: vier Euro für eine Handvoll Himbeeren, auf den ersten Blick unglaublich.
Im Supermarkt kosten 150g Himbeeren 1,79€, die sind dann aber irgendwo aus Spanien etc. eingeflogen. Das will man ja auch nicht nicht, und eigentlich stellt sich die Frage, wie eingeflogene Beeren günstiger sein können als heimische.

Es ist klar, dass die Beeren gepflückt werden müssen und die deutschen Löhne wahrscheinlich höher sind. Der Mindestlohn liegt bei 8,50€, und mehr werden Beerenpflücker sicher nicht bekommen.
Wenn ich im Garten Himbeeren ernte, dann schaffe ich so ca. 1kg in 30 Minuten, spricht 2kg pro Stunde. Und da sind die Sträucher nicht ordentlich in Reihen gebunden sondern wachsen wild.
Gehen wir davon aus, dass beim Bauern mindestens genauso viel geerntet wird (vermutlich aber mehr), dann macht das also ca. 0,85€ Personalkosten für die 200g. Sagen, dass es noch 0,50€ Lohnnebenkosten gibt, sind wir bei 1,35€, und das ist nur der reine Pflücklohn.

Die Stauden müssen übers Jahr auch gepflegt werden, wofür weitere Kosten anfallen, nämlich für Arbeit, Wasser, Maschinenkosten, ggf. auch für neue Pflanzen. Und evtl. fällt auch noch eine Pacht für das Land an, was auch noch nicht bewertet wurde.
Wenn ich das alles mal schätze, dann würde ich sagen, dass die reinen Kosten zur Produktion von 200g Himbeeren tatsächlich bei etwa 3€ liegen. Und ein wenig Gewinn muß der Bauer ja auch machen, er will ja schließlich auch leben.


Kommen wir zurück zur Frage, wie es dann sein kann, dass eingeflogene Himbeeren so viel günstiger sein können, nämlich um mehr als die Hälfte. Zu den oben gelisteten Kosten kommen dann  nämlich auch noch die Transportkosten dazu.
Ich denke, dass dies eigentlich nicht möglich ist. Dazu müßten die Himbeeren entweder maschinell geerntet werden, oder die Pflücker in Spanien bekommen nur wenige Cent pro Kilo.

Zudem sehen die Beeren immer aus wie gemalt. Klar habe auch ich so tolle Beeren dabei, aber der überwiegende Teil ist ungleich groß, wie man auf dem oberen Bild gut erkennen kann.
Ich möchte gar nicht wissen, wieviel gute Beeren weggeworfen werden, weil sie nicht dem Idealbild entsprechen!


Und nun die Fragen an Euch:

Brauchen wir wirklich Obst/Gemüse/Beeren, bei dem das eine aussieht wie das andere?
Muß alles perfekt aussehen, oder ist es nicht egal, ob die Beeren ungleich groß oder die Äpfel nicht auf Hochglanz poliert sind? (Ich hasse gewachste Äpfel!)

Wollen wir lieber das eingeflogene Billigobst, welches auch noch dazu beiträgt, dass der Ausstoß an CO2 und anderen Schadstoffen erhöht wird, oder sind wir bereit etwas tiefer in die Tasche zu greifen und das lokale Obst und Gemüse zu kaufen?

Meine persönliche Meinung: Dies ist eine der absoluten Schattenseiten der Globalisierung! Bitte denkt einmal in Ruhe über meine Fragen nach und entscheidet dann, ob es das wirklich wert ist, ein paar Cent oder Euro zu sparen!

Danke an alle, die es bis hier geschafft haben!

PS: Selbe Überlegungen gelten auch für Eier und Fleisch!

Kommentare:

  1. Super Artikel! Bin deiner Meinung. Man muss hier aber auch sagen, dass ein Umdenken schön langsam in der Gesellschaft beginnt. Das Billigste ist bei vielen nicht mehr das beste Schnäppchen. Qualität ist gefragt. Gegen den CO2 Ausstoß muss sowieso politisch etwas getan werden, aber jeder einzelne kann seinen Beitrag dafür leisten. Mein Humidity Sensor zeigt mir leider sehr oft sehr schlechte Werte der Luftqualität an. Da muss mehr getan werden! Für unsere Kinder und Enkelkinder...

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  2. Ganz deiner Meinung! Auf jeden Fall regional beim Erzeuger kaufen, was möglich ist. Wir haben das Glück, dass wir unsere Äpfel auf den Streuobstwiesen unseres Nachbarn pflücken dürfen. Die Eierfrage haben wir geklärt, in dem wir uns eigene Hühner angeschafft haben und beim Fleisch haben wir beim Metzger unseres Vertrauens ein halbes Schwein in Bioqualität gekauft. Ich meine ein Schwein besteht ja nicht nur aus Schnitzel und Bratwürstchen, auch der Rest muß verwertet werden, sonst bekommen wir die Massentierhaltung nie in den Griff.

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